F.O.T.T.® Konzept im Detail

 

Prämissen, Sichtweise und Vorgehen in der Therapie des Facio-Oralen Trakts - F.O.T.T.®

  • Die facio-oralen Funktionen Atmen, Speichelschlucken, Nahrungsaufnahme, Sprechen, orale Reinigungsbewegungen etc. wechseln sich permanent und koordiniert ab. Daran ist der ganze Körper beteiligt.
  • Zentrale Störungen betreffen oftmals alle diese Bereiche, d.h. eine Dysphagie tritt selten isoliert auf.
  • Grundlage des Vorgehens ist die Kenntnis physiologischer Bewegungen und der darauf aufbauenden facio-oralen Aktivitäts- und Handlungssequenzen sowie die genaue Analyse der auftretenden Pathologien. Die gesamtkörperlichen Störungsbilder werden im Zusammenhang mit der bestehenden Erkrankung und den daraus resultierenden Problemen im Alltag betrachtet.
  • Grundlage ist auch das Wissen, dass Lernen lebenslang stattfindet. (1), (2)

 

Grundlagen

Die F.O.T.T.® wurde von Kay Coombes, einer englischen Sprachtherapeutin und Bobath-Tutorin, in den 1970er Jahren zusammen mit ihren Kolleg*innen entwickelt und ist aus dem von Berta und Karel Bobath etablierten, gleichnamigen neurophysiologischen Behandlungsansatz hervorgegangen.

Das Konzept wird kontinuierlich weiterentwickelt, integriert Aspekte des Affolter-Modells und aktuelle neurowissenschaftliche Modelle wie die Prinzipien des motorischen Lernens und der Neuroplastizität.

Es ist integriert in ein multi- und interprofessionelles, alltagsorientiertes und alltagsbegleitendes 24-Stunden-Konzept. Die Kontinuität der therapeutisch-pflegerischen Maßnahmen wird durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen ermöglicht. Angehörige werden, soweit sie es wünschen und können, dabei angeleitet.

 

Ziele

Es wird den Patient*innen zu einer möglichst effizienten und effektiven Nutzung der facio-oralen Funktionen im Alltag verholfen und unter anderem der Ausbildung von Sekundärproblemen vorgebeugt.

Mit früh einsetzender angepasster Struktur und Regelmäßigkeit von therapeutisch-pflegerischen Maßnahmen wird einer Deprivation des Mundraumes mit den Problemen der Überempfindlichkeit und des phasischen Beißens bis hin zur Unmöglichkeit einer ausreichenden Mundpflege entgegengewirkt.

 

Methoden

Die F.O.T.T.® nutzt in der Behandlung sinnvolle, individuell und therapeutisch zu variierende, alltägliche Aktivitäten anstelle von standardisierten Übungen.

Bewegungs- und Handlungsabläufe werden fazilitiert und, wo es notwendig erscheint, wird auf Körperstrukturebene gearbeitet, um die Bewegungsvorgänge wieder zu bahnen und Einschränkungen in der Mobilität des Nervensystems, Kontrakturen und Faszienblockierungen des jeweiligen Zielgewebes zu minimieren. (1)

Sie bietet eine ICF-orientierte, strukturierte und zielführende Herangehensweise bei der Befunderhebung und Behandlung neurogener Störungen des Schluckens, der oralen Nahrungsaufnahme, des mimischen Ausdrucks und des Bereichs von Atmung, Stimme und Sprechen bei Patient*innen aller Altersstufen.

 


Quellennachweis:

(1) Nusser-Müller-Busch, R (2015) Das F.O.T.T. Konzept: Funktionell - komplex - alltagsbezogen, in: Die Therapie des Facio-Oralen Trakts, Hrsg. Nusser-Müller-Busch, Springer-Verlag Berlin - Heidelberg
(2) Elferich, B (2011) F.O.T.T. - Therapie des Facio-Oralen Trakts, in: Pädiatrisches Dysphagiemanagement, Hrsg. Frey, Elsevier München

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